Eine neue Studie von Tom Krebs und Patrick Kaczmarczyk untersucht die Wirtschaftlichkeit der Transformation der deutschen Stahlindustrie. Das Ergebnis: Mit einem verlässlichen industriepolitischen Rahmen kann klimaneutral produzierter Stahl in Deutschland international konkurrenzfähig werden.
Die Transformation der deutschen Stahlindustrie ist technisch möglich – entscheidend ist, ob sie auch wirtschaftlich tragfähig gestaltet wird. In einer neuen, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie untersuchen Tom Krebs und Patrick Kaczmarczyk vom Kompetenzzentrum für Transformationsforschung, unter welchen Bedingungen klimaneutrale Stahlproduktion in Deutschland langfristig wettbewerbsfähig sein kann.
Die Studie identifiziert vier zentrale Instrumente. Erstens braucht die energieintensive Industrie bis 2035 verlässlich kalkulierbare Strom- und Wasserstoffpreise. Vorgeschlagen wird ein Industriestrompreis von 60 Euro je Megawattstunde einschließlich Netzentgelten und Umlagen sowie ein Industriewasserstoffpreis von 140 Euro je Megawattstunde. Für tarifgebundene Unternehmen sollen die Preise auf 50 beziehungsweise 120 Euro reduziert werden. Zweitens sollten Investitionen in zukunftsfähige Produktionsanlagen gezielt gefördert und mit Standort- und Beschäftigungszusagen verbunden werden. Drittens kann der Staat durch seine Beschaffung und entsprechende Local-Content-Regelungen die Nachfrage nach klimaneutral produziertem Stahl stärken. Viertens können öffentliche Beteiligungen an strategisch wichtigen Unternehmen die Finanzierungskosten der Transformation senken.
Die Berechnungen kommen zu dem Ergebnis, dass eine klimaneutrale Stahlproduktion unter diesen Bedingungen ein wirtschaftlich tragfähiges Geschäftsmodell darstellen kann. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der langfristigen Absicherung der Energiepreise zu. Damit verbindet die Studie die klimapolitische Transformation der Stahlindustrie mit einer industriepolitischen Strategie zum Erhalt von Wertschöpfung, Standorten und Beschäftigung in Deutschland.
