JEL-Codes
L61, Q55, O25, R11, F52
Keywords
Stahlindustrie, wirtschaftliche Resilienz, Klimatransformation, Strukturwandel, Industriepolitik, Wertschöpfung, Beschäftigung, Standortpolitik
Die deutsche Stahlindustrie liefert als bedeutende Grundstoffindustrie einen unverzichtbaren Input für nachgelagerte Sektoren, insbesondere für die Bauwirtschaft, den Maschinenbau und die Automobilbranche. Die vorliegende Studie zeigt, dass eine Verlagerung der Stahlproduktion ins Ausland mit erheblichen wirtschaftlichen Kosten verbunden ist. Ein Wertschöpfungsverlust von bis zu 50 Milliarden Euro pro Jahr droht der deutschen Wirtschaft, wenn sie ohne nennenswerte inländische Stahlproduktion in einen globalen „Stahlschock“ geriete. Betrachtet wird dabei ein zukünftiges Szenario, in dem große Stahlexporteure – etwa China – aufgrund geopolitischer Entwicklungen oder Störungen der Lieferketten ihre Exporte nach Europa stark einschränken oder ganz einstellen. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass eine starke, klimaneutrale Stahlindustrie zentrale Voraussetzung für eine resiliente Wirtschaft ist. Darüber hinaus ergibt die Analyse, dass in Deutschland eine große Investitionslücke im Bereich der grünen Primärstahlproduktion besteht: Einem künftigen Bedarf von rund 20 Millionen Tonnen jährlich steht lediglich eine geplante Produktionskapazität von etwa 8 Millionen Tonnen gegenüber. Neben den wirtschaftlichen müssen auch die politischen Kosten einer Outsourcing- Strategie berücksichtigt werden: Ohne die notwendigen Zukunftsinvestitionen in Direktreduktionsanlagen an den Standorten Bremen, Duisburg und Eisenhüttenstadt wird es zu regional konzentrierten Arbeitsplatzverlusten kommen, die der AfD weiteren Auftrieb geben würden.
Diese Arbeit wurde gefördert von der Hans Böckler Stiftung als Teil der Forschungsförderung des Kompetenzclusters zu aktuellen Fragen in der Transformation. Wir danken Jan-Eric Thie für seine Unterstützung in der Input-Output-Analyse, Niklas Beller, Celine Reich und Daniel Wenzke für wertvolle Datenarbeit und Literaturrecherche und EUROFER für das Bereitstellen der Daten.