JEL-Codes

H54, L94, Q48, G23, D61

Keywords

Stromnetzausbau, Netzentgelte, Infrastrukturfinanzierung, Öffentlich-private Partnerschaft, Energiewende

In der vorliegenden Studie untersuchen wir die Auswirkungen eines Stromnetzausbaus, der insgesamt ein Investitionsvolumen von 651 Milliarden Euro bis 2045 hat, auf die künftigen Netzentgelte. Die Analyse zeigt, dass das Finanzierungskonzept eine entscheidende Rolle spielt. Konkret betrachten wir drei Finanzierungsoptionen. Im ersten Finanzierungsszenario erfolgt eine Ausweitung der Eigenkapitalbasis der Netzbetreiber mit öffentlichem Kapital (ÖÖP) und eine zusätzliche Aufnahme von Fremdkapital, um die notwendigen Neuinvestitionen zu finanzieren. Im zweiten Szenario wird ebenfalls die Eigenkapitalbasis der Netzbetreiber ausgeweitet und zusätzliches Fremdkapital aufgenommen, aber das Eigenkapital wird von privaten Finanzinvestoren bereitgestellt (ÖPP). Diese beiden Finanzierungsoptionen unterscheiden sich in Bezug auf den verwendeten Eigenkapitalzins, der aufgrund der hohen Renditeforderungen privater Finanzinvestoren im ÖPP-Szenario (privates Eigenkapital) wesentlich höher liegt als im ÖÖP-Szenario (öffentliches Eigenkapital). In der dritten Version wird kein zusätzliches Eigenkapital und kein zusätzliches Fremdkapital aufgenommen, sodass die notwendigen Neuinvestitionen aus eigenen Mitteln der Netzbetreiber finanziert werden müssen (Selbstfinanzierung). Unsere Analyse zeigt, dass die Finanzierungsoption „öffentliches Eigenkapital“ (ÖÖP) bei weitem die kostengünstigste Version ist. Der entsprechende (dauerhafte) Anstieg der durchschnittlichen Netzentgelte beträgt durchschnittlich nur 1,7 ct/kWh, um die Ausbauinvestitionen von insgesamt 651 Milliarden bis 2045 zu finanzieren. Die Finanzierungsoption „privates Eigenkapital“ (ÖPP) ist hingegen mit einem Anstieg von 3 ct/kWh wesentlich teurer, weil aufgrund der hohen Renditeforderungen privater Finanzinvestoren der Eigenkapitalzinssatz höher liegt. In dem ÖPP-Szenario ist der Anstieg der Netzentgelte also fast doppelt so hoch wie im ÖÖP-Szenario. Anders gesagt: In dem ÖPP-Szenario bezahlen Wirtschaft und Gesellschaft jedes Jahr bis zu 14 Milliarden Euro zusätzlich für die Nutzung der Stromnetze, damit internationale Finanzinvestoren wie BlackRock hohe Renditen einfahren können. Die Studie zeigt zudem, dass die Eigenkapitalbasis der Netzbetreiber massiv ausgeweitet werden muss – Selbstfinanzierung der notwendigen Ausbauinvestitionen ist keine ökonomisch sinnvolle Option. Konkret steigen die durchschnittlichen Netzentgelte kurzfristig um 7,5 ct/kWh, wenn die Netzbetreiber kein zusätzliches Eigenkapital erhalten. Ein Anstieg der Netzentgelte in dieser Größenordnung würde der Wirtschaft und Gesellschaft erheblichen Schaden zufügen, und den Erfolg der Energiewende gefährden.

Diese Arbeit wurde gefördert von der Hans Böckler Stiftung als Teil der Forschungsförderung des Kompetenzclusters zu aktuellen Fragen in der Transformation.